Linhs Story

Es war mal wieder ziemlich warm. Sommer. Eine Brise wehte durch mein Haar. Ich hatte ein Eis in der Hand und meinen MP3-Player ins Ohr gestöpselt. Mal wieder hörte ich Culcha Candela. Ich hatte passender Weise mein Shirt an, auf dem groß die Aufschrift Monsta stand. Ich ging gerade die Straße hinunter, als mein MP3-Player anfing zu spinnen. Ich zückte ihn aus meiner Hosentasche, um nachzusehen, was war. Plötzlich stieß ich frontal gegen eine Laterne und viel vor Schreck nach hinten. Gerade wollte ich anfangen zu schreien, da griff ein Arm nach mir und verhinderte somit, dass ich ungebremst auf den Boden fiel. Meine Augen suchten nach meinem Retter. Ich war sprachlos. Wie konnte mir so etwas Wunderbares widerfahren?

»Oh mein Gott, geht es dir gut? « fragte er mich mit einem besorgten Lächeln.  

»Ääähm.. j..j…ja..es..es geht schon… «stammelte ich vor mich hin.

»Ok, aber .. du blutest ziemlich stark am Kopf. Ich denke ich sollte dich in ein Krankenhaus bringen. «

 Er sah wirklich besorgt aus. Ich griff an meine Stirn, die sich anfühlte als hätte jemand ein Ei darauf zerquetscht. Doch zu meinem Übel war es kein Ei, sondern Blut. Ich blutete sehr stark. Anscheinend hatte ich mich doch stärker an der Laterne verletzt, als ich angenommen hatte. Ehe ich mich versah, griff er nach meinen Beinen und hob mich hoch. Es war unglaublich.

»Ich bin übrigens…. « 

»Ich weiß wer du bist…« ich blickte auf mein Shirt, um ihm zu signalisieren, was ich meinte.

»Ok und du bist? « er sah mich an und lächelte. Er hatte ein umwerfendes Lächeln. Ich sah ihn an und grinste. Mein Grinsen wurde immer breiter und ich konnte einfach nicht aufhören. Plötzlich bemerkte ich, dass er mich komisch ansah und ich erschrak. Peinlich berührt senkten sich unsere Blicke.

»Ich … ich bin… Linh…« es war mir wirklich peinlich. Ich hatte ihn angestarrt, als wäre ich behindert. Zum Glück hatte ich nicht gesabbert.

»Freut mich Linh. Ich bringe dich jetzt erst einmal zum Krankenhaus, wenn das für dich ok ist. « wieder lächelte er.

Er war wirklich freundlich und er sah so verdammt gut aus. Er trug mich den ganzen Weg, bis zum Krankenhaus. Wir erzählten ein wenig, während ich ihm sein Shirt vollblutete.

»Es.. es tut mir leid. Ich.. ich blute dein ganzes Shirt voll. Tut mir wirklich leid.  « stotterte ich und sah ihn an. Schnell blickte ich wieder woanders hin.

»Weshalb entschuldigst du dich dafür, dass du blutest? « Er war atemberaubend. Auf dem Weg zum Krankenhaus stammelte ich noch ein paar Sätze, doch es kam eigentlich nichts Gescheites heraus.

»Es ist schön, dass du mich nicht gleich ausfragst, so wie die meisten das tun. Es ist ein wenig anstrengend immer Fragen zu beantworten und du stellst überhaupt keine. « Nachdem er diesen Satz beendet hatte setzte er wieder sein wahnsinns Lächeln auf.

Wir waren am Krankenhaus angekommen. Er rief einen Arzt heran, der mich sofort behandelte. Tief im Inneren hatte ich gehofft, er wäre noch da, wenn ich hier fertig wäre, doch das war wohl eher ein Traum. Ich erzählte dem Arzt, wie es zu meinem Unfall kam, der mir leicht peinlich war. Es sah schlimmer aus, als es war, erklärte mir der Arzt, wischte das Blut ab, desinfizierte meine Stirn und machte ein Sprühpflaster drauf.

»So jetzt können sie wieder gehen. Ihr Freund wartet schon draußen. Er macht sich wirkliche Sorgen um Sie, wissen Sie das? « Er lachte gab mir die Hand und begleitete mich aus dem Behandlungsraum.

Draußen stand er mit einer Cola-Dose, aus dem Automaten und wartete auf mich. Mit kleinen Schritten ging ich auf ihn zu und überlegte, was ich ihm sagen hätte können. Mein Herz raste, als er sich umdrehte und mich direkt ansah. Wieder schmückte ein Lächeln sein hübsches Gesicht.

»Hey Linh. Sieht doch schon viel besser aus. Aber du bist blass geht es dir gut? «  Seine Hand kam immer näher, bis er meinen Arm zu fassen bekam.

»M..m….mir…mir geht es gut. « Ich merkte, wie mir dir Röte ins Gesicht schoss. »Ähm… Warum hast du… warum hast du gewartet…Ch… Chino? «

Er fing an zu lachen.

»Nenn mich doch Matthias, oder Matze. « Musste dieser Typ immer so verdammt süß lächeln, wenn ich versuchte mit ihm zu kommunizieren?

»Na komm, ich bringe dich nach Hause. Wo wohnst du denn? « er grinste und zwinkerte mir zu. Was sollte das nur? Das war ein schlechter Augenblick, um solche Anspielungen zu starten.

»Ähm… du.. du musst das nicht machen. Also, ich meine, wenn du nicht willst, dann musst du nicht, aber wenn du es willst, dann kannst du das tun. Ich hindere dich nicht daran, das zu tun, was du willst. Also, du musst wissen, ob du mich bringen willst, oder nicht. Ich weiß ja nicht, was du willst und ob du noch was vorhast oder nicht. Ich meine, es kann ja sein, dass…«

Wieder lachte er. Diesmal lachte er wirklich. Dann plötzlich stoppte sein Lachen und er sah mich komisch an.

»Ist schon gut. Ja ich werde dich nach Haus bringen und niemand wird das verhindern können. Es sei denn du willst nicht. Dann gehe ich einfach. Nein, das war ein Scherz. «

Er nahm meine Hand und sagte:

»So. Jetzt komm ein wenig runter. Beruhige dich. Es ist alles in Ordnung. Ich bin doch auch nur ein Mensch. «

»Es .. es ist aber schwer sich zu beruhigen, wenn du meine Hand hälst. « Nachdem ich das gesagt hatte viel mir auf, dass ich ganz schön laut war. Die Leute um uns herum guckten und fingen an zu kichern. Süß, hörte ich einige Leute tuscheln.

»Ich wohne in Friedrichshain. Rhinstraße. Falls das nicht zu weit weg ist. «

»Nein, ich habe versprochen, dass ich dich nach Hause bringe, also mache ich das auch, auch wenn du jetzt in Australien gewohnt hättest. «

»Warum machst du das alles für mich? Du kennst mich doch gar nicht. Ich bin doch auch nur irgendeine dumme Kuh, die nicht gucken kann, wenn sie geht. «

Er sagte mir, dass er das mache, weil ich interessant wäre. Immerhin hatte ich ein Culcha Candela Shirt angehabt. Das war jedoch vollkommen hinüber. Das komplette Shirt war voller Blutflecken. Ich sah es mir verzweifelt an. Plötzlich kullerten Tränen mein Gesicht hinab.

»Hey, was ist denn los? Was hast du denn auf einmal? « Sein eben noch lächelndes Gesicht wandelte sich in ein besorgtes. Er machte sich wirklich Sorgen um mich.

»Es ist nichts. Nur.. dieses Shirt. Es war ein Geschenk meiner Mutter. «

»Ich denke mal nicht, dass sie dir böse sein wird. Ist doch nur ein Shirt. «

»Nein, sie wird nicht böse sein, denn sie ist gestorben. Vor nunmehr genau einem halben Jahr. «

»Oh..ähm… das..das tut mir wirklich leid. Ich wollte nicht anmaßend sein. «

»Nein, ist schon gut. Kannst du ja nicht wissen. «

Die Tränen kullerten weiter. Unaufhörlich. Plötzlich nahm er mich in den Arm. Ich erschrak, doch ich blieb stehen. Ich weinte immer heftiger. Er streichelte über mein Haar und sagte, dass es okay sei. Er nahm mein Gesicht zwischen seine Hände und sah mir ins Gesicht. Mir war das ein bisschen peinlich. Immerhin sah ich gerade total verheult aus. Chino wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Er lächelte wieder und sagte mir, dass ich nicht weinen solle, denn sie würde immer in meinem Herzen sein und mich beobachten. Seine Worte waren sehr schön und so beruhigte ich mich wieder. Wir gingen los und ich erzählte ihm ein Wenig aus meiner Vergangenheit. Wie ich Culcha-Fan wurde. Warum meine Mutter starb. Was ich in der Schule machte. Und einige andere uninteressante Dinge aus meinem Leben. Eigentlich wollte ich mehr über ihn wissen, aber er hatte ja gesagt, dass er solche Fragen nicht mochte.

»Danke. « sagte er und warf mir ein atemberaubendes Lächeln zu.

Ich sah ihn fragend an und musste nicht einmal etwas sagen, denn er wusste was ich meinte.

»Naja, du redest von dir und zwingst mich nicht irgendwelche Fragen zu beantworten. Aber, du musst dich jetzt nicht irgendwie zurückhalten. Wenn du was wissen möchtest, dann frag einfach, okay? «

»Weißt du, ich würde gern alles über dich wissen, aber das ist anstandslos. Ich meine, ich kann dich ja nicht ausfragen, immerhin kennen wir uns ja nicht. «

Ich merkte wie in mir der Wunsch aufkam ihn zu berühren, doch ich zwang mich, mich zusammenzureißen. Mein Herz raste, als er neben mir ging und wir erzählten. In Träumen versunken ging ich neben ihm her. Plötzlich klingelte sein Handy.

»HM? Was ist? …. Nein. Heute nicht. Ich kann nicht. … Ja… OK….Ja bis morgen. ….Jaaaa …. « er legte auf.

»Musst du gehen? …. « fragte ich ihn und setzte meinen Hundeblick auf.

»Nein, ich habe gesagt, dass ich nicht kann. Immerhin bringe ich eine Lady nach Haus. « Er sagte das ganz selbstverständlich, doch mir war es peinlich.

Nach vier Stunden laufen und einigen Informationen, kamen wir bei mir zu Haus an. Ich überlegte, ob ich ihn rein bitten sollte, denn immerhin waren wir ganze vier Stunden gelaufen. Er musste wahnsinnigen Durst haben. Aus meiner Tasche fummelte ich meinen Schlüssel hervor und spielte damit herum. Dann fing ich an Einwortsätze zu stammeln.

»Ich…ähm…da… wir… « Meine Augen suchten verwirrt nach dem Boden.

»Naja, wir sind da… ich .. ich gehe d….«

»Möchtest du mit raufkommen? « Wie ein Blitz kamen diese Worte aus meinem Mund. Doch ich bereute nicht, dass ich ihn gefragt hatte.

»Ich könnte dir einen Tee kochen, oder einen Kaffee. Du hast doch bestimmt Durst. Ich kann dir auch etwas zu Essen machen. Also, wenn du möchtest…«

»Linh? Es würde mich freuen, den Abend mit dir verbringen zu dürfen. « Sein unglaubliches Lächeln machte es mir unmöglich zu reagieren.

»Linh? … LINH?? « Ich war komplett gefesselt von seinem Blick. Doch dann fiel mir plötzlich der Schlüssel aus der Hand. Als er auf den Boden fiel, suchte er sich seinen Weg in den Fußabtreter.

»Oh nein. Mein Schlüssel. Shit. Ähm, so kommen wir wohl nicht rein. Ich muss einen Schlüsseldienst rufen. Oder ich gehe zu einer Freundin. Morgen kommt mein Vater, um nach mir zu sehen. Er hat den Ersatzschlüssel. «

Dummerweise, war ich auf meinen Rucksack gefallen, in dem mein Handy war. Es war leicht demoliert und funktionierte nicht mehr. Keine Chance.

»Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber … möchtest du mit zu mir kommen? Ich meine, du kannst ja nirgends hin oder? Das soll keine Tour werden oder so. Ich möchte nur vermeiden, dass dir etwas zustößt. « Einen Ausweg hatte ich nicht. Wohl oder übel musste ich sein Angebot annehmen.

»Ähm.. danke.. ich weiß nicht. Ist das nicht zu viel des Guten? Ich meine, das kann ich doch nicht annehmen. Aber ich habe wohl keine andere Wahl. «

Also gingen wir zu ihm. Es war mir unangenehm und ich schämte mich, dass ich so ein Tollpatsch war. Wir liefen noch eine ganze Stunde, bis wir bei ihm waren. Da wartete eine Überraschung auf uns. Ein Paparazzo kam um die Ecke geschossen und machte ein Foto von Chino und mir. Er war gerade dabei seine Tür aufzuschließen, da wurden wir abgelichtet.

»Shit. Mal sehen, was die sich dazu für eine Story ausdenken. « Er sah das wohl nicht so eng. Mir war es unangenehm, aber was passiert war, konnte man nicht rückgängig machen. Wir gingen nach oben.

»Setz dich doch. Ich hol dir was zum Anziehen ok? Du kannst ja nicht in dem blutigen Shirt rumlaufen. « Er ging in sein Schlafzimmer und holte mir ein Shirt.

»Es wird wohl zu groß sein, aber was solls. Möchtest du was trinken oder essen? Keine Sorge ich habe genug da. Fühl dich wie zu Haus. «

»Ähm… ja was zu essen wäre gut und Durst habe ich auch ziemlich. Kann ich mal ins Bad? « Nach fünf Stunden durch Berlin laufen, musste ich wissen wie ich aussah. Außerdem musste ich unbedingt auf die Toilette.

»Ja ok, zum Bad geht es da entlang. Gibt es irgendwas bestimmtes, was du essen möchtest, oder nicht isst? Oder etwas was du gern trinken würdest? «

»Mit einem Glas Selters wäre ich schon zufrieden. Und was das Essen angeht. Ich esse eigentlich alles. «

»Ok, dann gehe ich uns was zaubern. « Er lächelte mich an und ging dann in Richtung Küche.

»Chino? …. Danke… « Ich ging ins Bad, setzte mich auf die Toilette und dachte darüber nach, was ich jetzt tun sollte. Immerhin war ich allein mit ihm.  Er war so nett zu mir. Noch einen Augenblick sah ich mich im Spiegel an, richtete meine Haare, machte mich schnell frisch und ging dann in die Küche. Chino war gerade dabei, das Gemüse zu waschen.

»Kann ich dir irgendwie helfen, Chino? « Ich sah ihn an und wartete auf eine Antwort. Doch es kam keine. Stattdessen sah auch er mich an, nahm mein Gesicht zwischen seine Hände und flüsterte, dass er schon lange nicht so eine interessante, wunderschöne und süße Frau getroffen hatte. Unsere Blicke vertieften sich und er kam immer näher. Ich spürte seinen heißen Atem und seinen Herzschlag. Sein Herz und mein Herz rasten im selben Rhythmus.

Ich atmete ein, als seine weichen Lippen meine berührten. Seine Hand durchstrich mein Haar und seine andere Hand streifte über meinen Rücken. Der Kuss wurde immer intensiver. Seine Zunge suchte Einlass in meinen Mund. Er drückte mich fest an sich. Ich wünschte mir, dass es nie aufhören soll, aber wie sollte es auch anders sein. Chinos Telefon klingelte. Es dauerte eine Weile, bis er sich von meinen Lippen lösen konnte. Er ging ins Wohnzimmer und griff nach dem Telefon. Ich schnappte mir ein Messer und schnippelte das Gemüse. Gemüse, Filetstückchen, allerlei Gewürze, einfach alles stand in seiner Küche. Ich nahm mir seine Worte zu Herzen und fühlte mich wie zu Hause. Als ich dabei war, das Gemüse zu schneiden, kam Chino von hinten und griff nach meiner Hand, die das Messer hielt. Die Stimmung wurde immer erotischer.

»Linh« flüsterte er. »Linh, noch nie habe ich mich so schnell für eine Person entschieden. …. « Wieder küsste er mich. Meine Hände zitterten. Wir ließen das Messer fallen, mit dem wir zuvor gemeinsam das Gemüse geschnitten hatten. Ich drehte mich zu ihm um und küsste ihn leidenschaftlich. Seine Umarmung wurde immer fester, als wollte er mich niemals loslassen. Meine Hand griff unwillkürlich in seine Haare. Wir konnten uns nicht mehr halten. Seine Hand wanderte unter mein Shirt, das ich noch nicht gewechselt hatte. Doch das war egal, denn augenblicklich, zog er es mir aus. In unserer Leidenschaft versunken, suchten wir den Weg in sein Schlafzimmer. Das fanden wir dann auch. Wir krabbelten, immer noch aneinanderklebend, auf sein Bett. Einen Augenblick lang lösten sich unsere Lippen, damit Chino sein Shirt ausziehen konnte. Als dies getan war, küsste er meinen Hals. Mit seiner Zunge fuhr er meinen Hals entlang und knabberte dann an meinem Ohr.

»Chino …. « hauchte ich erregt. Er sah mich an und lächelte, nebenbei machte er sich an meinem Hosenverschluss zu schaffen. Den hatte er auch schnell geöffnet, um mir kurz darauf die Hose auszuziehen. Nun lag ich da, in Unterwäsche auf dem Bett eines Stars. Auch seine eigene Hose hatte er schneller, als schnell ausgezogen. Kaum hatte er dies getan, gab er mir einen weiteren leidenschaftlichen Kuss. Er drückte mich an sich und küsste mich mitten ins Dekolleté. Gerade als er meinen BH öffnen wollte klingelte es unverhofft an der Tür.

»Nein! Shit! Maaaan.. wer kann das sein? Ach, egal! « 

»Willst du nicht aufmachen gehen? Vielleicht ist es wichtig. « Er warf sich eine Decke über und ging zur Tür. Nach einigen Minuten kam er wieder und wir machten da weiter, wo wir als letztes aufgehört hatten.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und war verwirrt. War das alles wirklich geschehen oder nur ein Traum? Ein Blick reichte, um mir zu versichern, dass es kein Traum war. Ich war in einem fremden Schlafzimmer. Nun, da es hell war, konnte ich mir sein Schlafzimmer näher ansehen. Es war echt schön. Die Decke war mit Stuck geschmückt und der riesige Schrank passte perfekt in den hellen Raum.

»Guten Morgen schöne Frau. « Es gab etwas, das viel heller war, als sein Schlafzimmer. Es war sein wundervolles Lächeln.

»Ich habe uns Frühstück gemacht. Komm einfach in die Küche, wenn du fertig bist. Das Bad ist frei. « So machte ich mich mit Decke auf den Weg ins Bad. Im Bad angekommen viel mir ein, dass ich überhaupt keine Sachen mitgenommen hatte. Ich hatte keine andere Möglichkeit.

»CHINO! « Ich rief ihn ins Bad. Ohne T-Shirt kam er ins Badezimmer gelaufen. Ich war dabei zu schmelzen.

»Ja? Gibt es ein Problem? Ach ja, du hast keine Sachen. Warte kurz. «

Er holte mir das Shirt, was ich in der Nacht davor hätte anziehen sollen. Aber da kam mir wohl etwas dazwischen. Es war überraschenderweise grün. Auch meine Unterwäsche aus dem Schlafzimmer hatte er geholt. Irgendwie war mir das peinlich, aber was sollte ich machen? Schnell zog ich mich an, machte mich frisch, um in die Küche zu gehen.

»Hey. Hast du Hunger? Ich habe für uns eine Kleinigkeit gemacht. Magst du Kaffee? Oder lieber Milch? «

»Au ja, mir knurrt der Magen. Ähm.. ich hätte gern den Kaffee. Ich bin heut irgendwie verdammt müde. «

Wir aßen gemeinsam Frühstück und erzählten noch ein wenig.

»Wann kommt dein Vater heut? « fragte er mich. Ich  musste überlegen, ich hatte doch beinahe die Uhrzeit vergessen.

» Ich glaube um vier. Wie spät ist es denn? « In seiner Küche stand eine Uhr. Es war neun Uhr fünfundzwanzig. Plötzlich fiel mir ein, was auf mich zukommen sollte. Mein Schlüssel war mir in einen Fußabtreter gefallen, mein Handy war kaputt, ich hatte mich am Kopf gestoßen und mit Chino geschlafen. Das war eine ganze Menge.

»Ist nämlich so, dass die Jungs nachher kommen. Zum Mittagessen. Möchtest du bleiben, oder lieber gehen? « Seine großen, leuchtenden Augen funkelten mich an und ich wusste nicht, was ich antworten sollte.

»Äääähm… ich weiß nicht. Ich will dir nicht zur Last fallen. Also, ich denke ich gehe lieber. « Ich war unsicher. Insgeheim wollte ich bei ihm bleiben, doch es war mir unangenehm so plötzlich den Jungs zu begegnen.

»Ok. Du bleibst! Ich stell dich mal den Jungs vor. Das hast du dir doch bestimmt schon immer gewünscht. « Er fing an zu lachen, stand auf, küsste mich auf die Stirn und holte einen Milchkarton aus dem Kühlschrank.

»Ähm. Ja, wenn du meinst. Dann… dann muss ich aber…«

»Duschen? Kein Problem. Nur mit Duschgel for women kann ich nicht dienen. Aber du kannst mein Zeug nehmen. Ich geb dir ein Shirt von mir. Oder halt warte, ich rufe Lars an und sage er soll ein Monsta Shirt mitbringen. « Wie abgemacht ging ich ins Bad und stieg unter die Dusche. Das warme Wasser lief mir über die Schultern und ich fühlte mich sehr wohl. In einem kurzen Moment geistiger Abwesenheit dachte ich darüber nach, wie es weitergehen würde. Doch ich kam auf keine Idee, die nur annähernd möglich wäre. Ich schnappte mir ein Handtuch, trocknete mich ab und machte mich bestmöglich hübsch. Immerhin wollte ich gut aussehen, wenn sie kommen. Als meine Haare halbwegs gut aussahen und ich angezogen war, ging ich aus dem Bad um zu sehen, was Chino machte. Er war dabei, das Mittagessen für die Jungs vorzubereiten.

»Macht es dir was aus mir zu helfen? « 

»Oh nein. Ich helfe dir natürlich. Das ist doch das Mindeste, was ich tun kann. Ich meine, ich … « 

»Schon gut, Linh. Ist doch kein Problem. Du bist wirklich unglaublich süß. « Er gab mir ein Messer und ich schnippelte das Gemüse. Chino machte das Radio an. Es lief ihr neuester Song. Ob das ein Zeichen war? Es klingelte.

»Irgendwie kommen die ganz schön früh. Naja, warte hier, ich mach auf. « Mein Herz begann zu rasen, als ich sie die Treppe heraufkommen hörte. Doch komischerweise hörte ich auch Absatzschuhe. Es waren zwei Frauen dabei. Ich wurde immer aufgeregter. Sie setzten sich ins Wohnzimmer und ich hörte sie erzählen.

»Kannst du mir das erklären, Matze? Wer ist das? Ich war schockiert, als Tamara mir heute Morgen die Zeitung brachte und ich das Bild von dir und der Schönheit sah. «

»Ja, Matze. Nun sag schon. Was habt ihr gemacht? «

»Jungs nun seid doch nicht so neugierig. Matze ist auch nur ein Mann. « Die Frau lachte. Die andere Frau saß neben Hanno und zupfte an seinem Kragen. Bevor Chino in eine missliche Lage kommen konnte ging ich mit kleinen tapsigen Schritten vorsichtig ins Wohnzimmer.

»Ähm… hallo. « Mir war es peinlich und Chino wahrscheinlich genauso. Die Frau die eben noch  Hannos Kragen gerichtet hatte sprang freudig auf.

»Hey. Du bist ja süß. Ich bin Romina, Hannos Freundin. « Sie drückte mich und nahm mich bei der Hand. Wir gingen zum Sofa und sie drückte mich nach unten. Ich setzte mich, ich hatte ja keine andere Wahl.

»Hallo. Ähm… ich … ich … ich bin…ich …«

»Linh, ihr Name ist Linh. Ich habe sie gestern auf der Straße aufgelesen. Sie war gegen einen Laternenpfahl gelaufen und hatte sich an der Stirn verletzt. Ich habe sie dann in ein Krankenhaus gebracht und danach wollte ich sie nach Haus bringen. Sie ließ blöderweise den Schlüssel fallen. Mitten in den Fußabtreter. Und da ihr Handy kaputt war, habe ich sie mit hierher genommen. Und jetzt ist sie hier. So jetzt wisst ihr alles. « Ich hustete, als Anspielung auf Chinos Bemerkung, dass sie nun alles wüssten. Tamara schien es sofort zu verstehen und lachte. Sie klopfte ihm auf die Schulter.

»Linh also. Hey ich bin..«

»Ich weiß schon. Ich weiß wer ihr seid. « Ich unterbrach ihn unhöflicherweise.

»Gut ok. Aber unsere Ladys kennst du nicht. Das ist meine umwerfende Frau Tamara. Und das ist Hannos Freundin Romina. « Lars lächelte. Chino stand auf und sagte, dass er jetzt weiterkochen müsse, weil es sonst erst im Januar nächsten Jahres was zu essen gäbe. Mateo und John gingen hinterher, um ihm zu helfen.

»Ok du bist also Linh. Da fällt mir ein. Du bist dann wohl diejenige, für die wir das Shirt mitbringen sollten? Obwohl dir Chinos Hemd auch steht. « Omar lachte und warf mir das Shirt zu. Ich bedankte mich und verschwand im Badezimmer. Doch nicht allein, denn Tamara und Romina folgten mir. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass sie mich mochten. Sie erzählten mir, dass die Jungs eine Niete seien, was das Kochen anbelangt. Also zog ich mich schnell um und dann gingen wir in die Küche.

»Schatz, lass mich das machen. Geht ihr mal ins Wohnzimmer und zockt irgendwelche komischen Spiele. Wir Frauen machen das Essen. « Die Jungs nahmen das Angebot dankend an. Tamara gab Lars noch einen Kuss und dann gingen die Männer ins Wohnzimmer. Wir teilten uns die Aufgaben und im Nu konnten wir alles auf den Herd stellen.

»Puh. Für so viele Männer zu kochen ist ganz schön anstrengend. Die essen ja auch nicht wenig. « Romina wischte sich symbolisch den Schweiß von der Stirn.

»Und … du bist dann also Matzes neue Freundin? « Tamara schaute mich an und lächelte.

»Freundin? Ich .. äähm… ich  … weiß nicht… wir kennen uns ja erst seit gestern. Und ich … also… ich … keine Ahnung. « Die Mädchen fingen an zu lachen. Wir würzten das Essen und schon war das Essen fertig. Romina nahm Teller aus dem Schrank und Tamara deckte das Essen auf. Die Jungs kamen in die Küche geeilt und fielen, wie Barbaren, über das Essen her. Ihnen schien es sichtlich zu schmecken. Ich bekam einen Platz neben Chino und Romina. Dass Romina neben mir saß machte es einfacher für mich. Als alle aufgegessen hatten sprachen die Jungs über Chino und mich, was mir sehr unangenehm war. Chino bemerkte das und sagte ihnen, dass sie über etwas anderes sprechen sollen und warf mir ein Lächeln zu. Romina und Tamara retteten mich und nahmen schickten die Jungs wieder ins Wohnzimmer, sodass wir aufräumen konnten. Romina machte den Abwasch, Tamara trocknete ab und ich saß nutzlos rum.

»Ich… kann ich helfen? « Es war mir unangenehm so nutzlos zu sein.

»Nein nein, bleib sitzen. Es war aufregend genug für dich oder? Ich kenne das. Ich war auch aufgeregt, als ich diese herzallerliebsten Männer im Backstagebereich traf. Und da habe ich Hanno gleich den Kopf verdreht. «

»Ja, so wars bei mir auch. « Die Mädchen lachten. Sie waren mir sehr sympathisch, schon von Anfang an. Sie waren sehr herzlich und ich fühlte mich wohl bei ihnen. Chino kam in die Küche und stellte sich hinter meinen Stuhl.

Er streichelte über meinen Kopf und fragte mich, ob ich mich wohlfühlte. Ich nickte und lächelte.

»Ihr zwei seid ja süß. Versau dir das nicht Matze. « Tamara warf ihm einen finsteren Blick zu, fing aber kurz darauf an zu lachen. Wir hatten eine Menge Spaß und ich fühlte mich sehr willkommen.

Mittlerweile war es um zwei und ich wollte mich auf den Nachhauseweg machen, doch Chino schien damit nicht ganz einverstanden zu sein.

»Bleib doch noch ein bisschen. Ich fahre dich nachher. Die anderen gehen auch gleich. « Ich ließ mich überreden, gegen sein Lächeln hatte ich einfach keine Chance. Kaum hatte ich zugestimmt, sprangen die anderen, wie von der Tarantel gestochen, auf und zogen sich an.

»Es hat mich gefreut dich kennenzulernen. Ich hoffe wir sehen uns wieder. «

»Ja, das hoffe ich auch, Romina hat vollkommen Recht, Linh. « Nach und nach verabschiedeten sich alle und verschwanden durch die schwarze Holztür.

»Jetzt sind wir allein. « sagte Chino mit einem breiten, schelmischen Grinsen, als hätte er etwas ausgeheckt.

»Sie sind wirklich alle sehr nett. Vor allem Romi und Tamy. Sie haben mir ihre Nummern gegeben, falls du etwas anstellst. «

»Ja, sie mögen dich. Und ich verbocke es mir meist mit so tollen Frauen. Sie haben Angst, dass das wieder in einem Desaster endet. « Er gab mir einen Kuss und flüsterte mir zu, dass er das auch nicht wolle. Wir setzten uns ins Wohnzimmer und schauten fern.

»Chi…Matze? Sag mal, wie geht’s jetzt weiter? « Er schaute mich erstaunt an, als wäre er mit der Frage genauso überfordert, wie ich.

»Naja, für mich… also.. ich … ich möchte das nicht so als One Night Stand abhaken. Ich hatte schon gedacht, dass da mehr kommt. Weil ich dich wirklich mag und … ich möchte … wenn du auch möchtest.. also .. wir k…«

»Sind wir jetzt ein Paar? « Er sah mich erschrocken an, doch dann lächelte er und nickte. Sein Arm glitt hinter meinen Kopf und mit seiner Hand griff er nach meiner Schulter. Er zog mich an sich heran und so kuschelten wir noch eine Weile, bis ich los musste.

 

Wir rappelten uns vom Sofa auf und gingen in den Flur, um uns anzuziehen. Wie ein Gentleman hielt er mir die Jacke auf, damit ich nur noch reinschlüpfen musste. Hand in Hand gingen wir die Treppe hinab, doch wir ahnten nicht wer dort wartete. Eine Horde Paparazzi wartete mit Fragen für Matze.

»Wer ist die unbekannte Schönheit an Ihrer Seite? «

»Woher kennen Sie sie? Wie kam es zu all dem? « Ich erschrak, als einer der Reporter mir sein Mikrofon vor die Nase hielt und mich fragte, ob ich seine neue Freundin sei. Ich wusste nicht, was ich antworten sollte und suchte Hilfe bei Matze. Er blickte direkt in meine Augen und dann tat er etwas, womit ich nicht gerechnet hatte, er küsste mich, nahm das Mikrofon und begann seine Ansprache.

»Ja, das ist meine Freundin und wehe einer von euch Reportern kommt ihr zu nahe, dann gibt es Ärger. « Nach dieser Ansprache drückte er dem Reporter sein Mikrofon wieder in die Hand, nahm mich in den Arm und schleuste mich aus der Meute. Wir stiegen in sein Auto und er fuhr los.

»Danke…« Kaum saßen wir im Auto, fing es an zu regnen. Er machte das Radio an und gab mir einen liebevollen Kuss, bevor wir losfuhren.

»Kannst du damit umgehen? Ich kann verstehen, wenn du das nicht willst. « 

»Nein, ist ok. Das wusste ich ja schon vorher. « Zufrieden und überglücklich kamen wir dann bei mir an. Dort wartete auch schon mein Vater vor der Tür. Wir stiegen aus und ich begrüßte meinen Vater, der verblüfft war, dass ich nicht aus der Tür kam, vor der er stand.

»Wo kommst du denn her, mein Kind? « Er sah Matze neben mir und zwinkerte mir zu. »Achso ok. Schon klar. «

»Ähm, ja. Papa? Das ist Matze. «

»Hallo, freut mich sie kennenzulernen. Ich bin Matze. « Matze wollte ihm die Hand reichen, doch mein Vater riss ihn an sich, umarmte ihn und hieß ihn in unserer Familie willkommen. Irgendwie war mir das peinlich, aber so sind Väter nun mal. Ich erzählte meinem Vater, was passiert war.

»Du hast deinen Schlüssel…hier unten?? Warte ich schau mal was sich machen lässt. « Mein Vater untersuchte den Fußabtreter. Er hob das Metallgitter nach oben, legte es beiseite und fummelte meinen Schlüssel hervor.

Als wir meine Wohnung betraten, fiel mir ein, dass ich vergessen hatte aufzuräumen. Es sah schrecklich aus.

»Ähm… scheiße… tut mir leid, dass es hier so dreckig ist. Ich… fuck. «

»Schon gut Schatz. Ist doch nur dein Unterhöschen. « Er lachte und bemerkte dabei nicht, dass mein Herz raste wie wild. Schatz, hatte er mich genannt. So schnell ich konnte räumte ich alles weg.  Mein Vater und Matze verstanden sich auf Anhieb und sie hatten sichtlich Spaß daran, Witze über mich zu reißen.

»Schatz, ist doch okay. Setz dich mal hin. « Matze nahm mich und drückte mich in den Sessel. Mit großen Augen sah ich ihn an, und dieses Mal merkte er, dass mein Herz extrem  raste.

»Ist ja süß. Du bist unglaublich süß. « Seine Hand streichelte meine und ich genoss es.

»Also, wie geht es meiner wunderbaren Tochter denn? « Ich erzählte ihm, wie es mir ging. Anfangs leugnete ich, dass es mir furchtbar ging, doch dann brach ich in Tränen aus. Matze nahm mich in den Arm und versuchte mich zu beruhigen.

»Hey, ist doch gut Schatz. Beruhige dich. « Ich versuchte mich wieder zu fassen, doch meine Trauer überkam mich. Es war einfach zu viel. Den Tod meiner Mutter hatte ich noch nicht verarbeitet, es war einfach schrecklich. Auch mein Vater hatte ihren Tod noch nicht verarbeitet. Nach einer halben Stunde hatten wir unsere Gefühle wieder beisammen. Wir aßen zusammen zu Abend und dann machte sich mein Vater wieder auf den Heimweg.

»Ich werde dann auch mal gehen. « Matze wollte sich gerade auf den Weg machen, da entschied ich mich dazu, ihn nicht gehen zu lassen.

»Matze.. bitte … geh noch nicht. Ich möchte… also… das ist irgendwie unangenehm..also… bitte bleib bei mir. « Ich zitterte am ganzen Körper, als ich auf ihn zuging, um ihm einen Kuss zu geben.

»Ok, wenn du das möchtest, dann bleibe ich heute Nacht bei dir. « Sein Lächeln versüßte den Augenblick und ich war froh, ihn gebeten zu haben. Den Abend verbrachten wir kuschelnd vor dem Fernseher, bis ich in seinen Armen einschlief. Da er mich nicht wecken wollte trug er mich in Schlafzimmer, legte mich ins Bett und sich direkt daneben. Er legte seinen Arm um mich. Diese Nacht, war sehr schön.

Am nächsten Morgen suchten meine Lippen als erstes nach seinen, doch sie fanden ihn nicht. Ich öffnete die Augen und bemerkte, dass er nicht da war.

»Matze?? « Ich  rief nach ihm, weil ich Angst hatte, dass er abgehauen war.

»Was ist los… meine Schöne? Keine Angst, ich haue nicht ab. « Er kam zu mir ans Bett und gab mir einen Kuss. »Kommst du? Ich habe uns Frühstück gemacht. Naja es war nichts im Kühlschrank, also bin ich zum Bäcker gegangen und habe Kaffe und Brötchen mitgebracht. « 

»Du hast was? … Du bist wirklich Wahnsinn. Hast du ein Problem damit, wenn ich Chino sage? Mit Matze habe ich so viele schlechte Assoziationen. «

»Nein. Du kannst mich nennen wie du willst, mein Engel. « Mein rosa Top, mein grünes Shirt oder mein kleines, schwarzes Kleid? Ich hatte keine Ahnung was ich anziehen sollte. Durch Zufall entschied ich mich für das kleine Schwarze. Das Badezimmer war mein erstes Ziel, als ich dort fertig war, ging ich zu Chino in die Küche.

»Du siehst umwerfend aus. Schatz, kommst du heut mit zur Probe? Lars sagte mir, dass Tamy und Romi dich unbedingt wiedersehen wollen. « Hätte er mir nicht gesagt, dass Romi und Tamy da waren, wäre ich wahrscheinlich nicht mitgegangen, aber ich freute mich die Mädchen wiederzusehen und stimmt zu.

»Ok, dann essen wir auf und fahren schnell zu mir, um ein paar Dinge zu holen und dann nehm ich dich mal mit auf eine Probe. Die ist übrigens in der Columbiahalle. « Das war das erste Mal, dass ich die Columbiahalle betreten würde. Wie verabredet, aßen wir auf und machten uns auf den Weg zu ihm.

»Ähm… Chino? Findest du nicht auch, dass das alles ziemlich schnell ging? Also, wir kennen uns jetzt seit gut zwei Tagen. Ich bin überglücklich mit der Situation, aber ich begreife nicht, womit ich das verdient habe. «Wie erwartet, sah er mich komisch an.

»Was meinst du? Wenn du glücklich bist ist doch alles in Ordnung oder? «

»Naja, schon, aber versteh mal, das ist voll ungewohnt. « Ich wurde unsicher und bereute es, dieses Thema angesprochen zu haben.

»Ich verstehe dich ja, « sagte er und umschloss mit seiner freien Hand meine kalten Finger. Er lächelte, doch er hatte keine Ahnung, wie glücklich er mich damit machte.

»Hey Chino, du hast ja deine neue Maus mitgebracht. « Lars empfang uns mit einer herzlichen Umarmung.

»Hallo schöne Frau. « Ich weiß nicht warum, aber Omar war wirklich sehr charmant. Er war sehr nett. Auch die anderen kamen, um uns zu begrüßen.

»Ähm… hallo..« flüsterte ich leise, denn es war mir irgendwie peinlich. Doch dann kam Chino und umarmte mich von hinten. Tamy und Romi fanden das so süß, dass sie mich von ihm rissen und mich auf einen Stuhl drückten.

»So Linh, jetzt sag mal, wie schlägt er sich bisher? Ist er anständig? Stellt er komische Sachen mit dir an? «

»Romi! Schatz…jetzt lass sie doch erst mal richtig hier ankommen. Du warst schon aufgeregt, als sie noch nicht mal hier war. « Hanno umarmte sie und gab ihr einen Kuss, daraufhin verschwand er mit den anderen. Auch Chino war gegangen.

»Wo…wo sind die hin? « Es war das erste Mal, dass ich bei einer Probe dabei sein durfte. Die Columbiahalle war wirklich riesig. Wie eine Ameise kam ich mir vor.

»Die sind nach hinten..dürfte aber… « und dann verstand ich kein Wort mehr, denn es ertönte laute Musik. Es war der Anfang von Besonderer Tag. Romi und Tamy fingen an im Takt zu schaukeln und mitzusingen. Anfangs war es mir zu peinlich, doch dann genossen wir zu dritt die Musik und sangen.

>Das ist ein besondrer Tag, lass die Welt sich drehn wie sie mag, ich lasse einfach los denn ich hab keine Ängste keine Sorgen man was für ein Tag. <

Die Jungs sahen, wie wir die Musik genossen und machten uns nach. Tamy fand das gar nicht lustig und zeigte ihrem Mann den Mittelfinger. Wir lachten, denn Lars‘ Gesicht war nicht zu übertreffen. In dem Moment, als Chino von der Bühne zu mir runter sah, kam mir ein Bild in den Kopf, von einer guten Freundin von mir. Shelly. Und da fiel es mir, wie Schuppen von den Augen. Sie kannte die Jungs bereits. Ich sah sofort in meinem Handy nach ihrer Nummer und ich fand sie. Romi sah mich verblüfft an, weil ich, wie von einer Hummel gebissen, aus der Halle rannte. In der Halle war es zu laut, also ging ich vor die Tür und rief sie an. Ich hörte ein Freizeichen und war ein bisschen nervös, weil ich nicht wusste, wie sie auf meinen Anruf reagieren würde. Plötzlich nahm jemand ab, und ich erschrak, weil ich in Gedanken war.

»Hallo? Hier ist Michelle, wer ist da? «

»Shelly hey, ich bins Linh. Du wirst es nicht glauben, aber… ich sitze gerade in der Columbiahalle, bei einer Probe von Culcha. Ist das nicht Wahnsinn? «

»Ja, wow. Das ist ja cool, wie bist du da hingekommen? « 

»Kannst ja herkommen. Ich denke Mateo wird sich freuen dich zu sehen. Dann erzähle ich dir auch, wie das hier alles zustande kam. Okay? « Sie stimmte zu und so ging ich wieder hinein und war voller Euphorie. Tamy bemerkte das und kam auf mich zu. Auch Chino war erfreut, als ich wieder in die Halle kam.

»Hey. Was hast du gemacht? « Tamy war neugierig und wollte es unbedingt erfahren. Deshalb erzählte ich ihr, dass ich eine Freundin angerufen hatte. Sie war nun genauso aufgeregt, wie ich. Die Jungs probten weiter und es begann das nächste Lied. Es war Chica. Wieder sangen wir mit und betrachteten dabei unsere Liebsten, wie sie uns beim Singen süße Gesten machten.

>Ey du geile Sau. Ich hab was du brauchst. Schau mich nicht  so an … <

Plötzlich vibrierte mein Handy. Es war Shelly, sie stand vor der Halle und wartete, dass ich sie reinholte, also ging ich wieder nach draußen, um sie zu holen. Als ich wieder reinkam, war ich sehr überrascht. Nicht, dass die Jungs sie schon kannten, sondern, dass Tamy sie kannte.

»Michelle, was machst du denn hier? Sag bloß du und Linh seid Freunde. «

Wir erzählten ihr unsere Lebensgeschichte und bemerkten nicht, wie die Jungs von der Bühne hüpften, um sie in den Arm zu nehmen und zu begrüßen. Außer Mateo, der stand wir angewurzelt da und machte nichts. Bis Omar ihn schließlich zu Shelly schubste. Ihr Begrüßung viel sehr schmächtig aus, beide schienen etwas verhalten zu sein. Ich hatte das Gefühl, dass die beiden sich sehr mochten, denn das verrieten mir ihre Blicke. Der Choreograph wurde wütend, denn er wollte, dass alles perfekt wird. Er meckerte die Jungs an und scheuchte sie wieder auf die Bühne. Dann ging die Show weiter. Sie starteten den nächsten Song und danach wieder einen. In der Zeit erzählte ich Shelly, was in der Zeit geschehen war. Nebenbei grübelte ich, was ihr komisches Verhalten bedeuten sollte. Als wir fertig waren zu quatschen, waren auch die Jungs fertig, mit ihrer Probe. Alles verlief gut deshalb gingen wir alle gemeinsam essen. Natürlich auf die Kosten der Männer. Auch Shelly kam mit und es erinnerte sie an ein Essen mit Mateo, von dem sie erzählte. Und da wurde es mir klar. Sie und Mateo waren verliebt. Der Abend wurde immer länger und wir Mädels tranken Unmengen an Rotwein. Lars bemerkte, dass es für Tamy langsam Zeit wurde, nach Haus zu fahren, also nahm er Tamy und fuhr mit ihr los. Auch Hanno und Romi verließen uns, was wohl Grund genug war, dass plötzlich alle gingen. Chino umfasste mit seiner einen Hand meine Taille, damit ich nicht stolperte. Als wir im Auto saßen begann ich peinlicherweise einen Haufen dummes Zeug zu labern. Wir fuhren zu ihm und kaum waren wir in der Wohnung und hatten die Tür geschlossen, warf  ich mich um seinen Hals und begann ihn leidenschaftlich zu küssen. Unser Weg führte uns direkt in die Küche. Unser Kuss wurde immer leidenschaftlicher und unser Verlangen immer größer. Mit seiner linken Hand streichelte er meinen Busen und mit der rechten öffnete er meinen BH. Nachdem er mir mein Kleid ausgezogen hatte hob er mich mit einem Ruck auf seinen Küchentresen, der aus Marmor war.

»Aaaaaaaaaaaaaaaaah.. scheiße.. ist das kalt. « Aus Mitleid und weil er nicht wollte, dass ich Hämorrhoiden bekomme trug er mich ins Schlafzimmer. Dort überfiel er mich mit Küssen. Er gab mir das Gefühl, dass er bei niemand anderem sein wollte in diesem Moment. Und genau dasselbe wollte auch ich. Ich umklammerte seinen durchtrainierten Körper und gab ihm einen Kuss. Dann überraschte ich ihn und wechselte die Position. Ich setzte mich auf seinen Schoß und küsste seinen Oberkörper. Er genoss es sichtlich und ich begann seine Hose zu öffnen. Als ich ihm diese ausgezogen hatte, gab ich ihm einen Kuss. Gut, dass ich total betrunken war und ich mich am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern konnte. Aber der Morgen war sehr schön, denn Chino brachte mir Frühstück ans Bett. Wir aßen gemeinsam, um anschließend aufzustehen und uns fertig zu machen. Immerhin stand heut ein Konzert an. An der Columbiahalle trafen wir die anderen. Sogar Shelly. So wie ich das mitbekommen hatte, hatte Mateo gefragt, ob sie kommen möchte. Die Mädchen und ich warteten im Backstagebereich, während die Männer auf das Konzert vorbereitet wurden. Jeder bekam ein Shirt in seiner Farbe. Grün sah an ihm einfach umwerfend aus. Doch auch Gelb und Hellblau waren sehr schön anzusehen. Richtig eingekleidet für den Auftritt, gingen sie in die Maske. Frisch gepudert sahen sie noch wundervoller aus, als ohnehin schon und wir Mädchen waren überglücklich, dass wir dieses Glück hatten und von ihnen geliebt wurden.

»Na Schatz, wie seh ich aus. « Hanno konnte mal wieder nicht gehen, ohne vorher sein Ego zu steigern. Jede von uns bekam noch einen Kuss und dann gingen sie, um noch einmal zu proben. Draußen standen auch ein paar Fans, die ihnen dabei zusahen. Dann ganz unerwartet, kam ein Mädchen in den Raum. Sie war echt hübsch und irgendwie zitterte sie ziemlich. Meine Diagnose lautete: Culcha-Fan. Sie sah unsicher aus und stakste hin und her. Da sie nicht zu wissen schien, wo sie hinsoll gingen Tamy und Romi auf sie zu. Das Mädchen erschrak, als die beiden sie ansprachen, doch die wirkte gleichfalls erleichtert.

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